Bergretter in den Alpen – Ein Blick hinter die Kulissen des Ehrenamtes der Bergretter, ein Ehrenamt das alles abverlangt.
Wer einmal gesehen hat wie ein Rettungshubschrauber in unwegsamem Gelände absetzt, vergisst das nicht so schnell. Die Menschen die dort aussteigen, tun das ohne Zögern, bei jedem Wetter, zu jeder Tages- und Nachtzeit, oft ehrenamtlich und immer mit dem Wissen dass da oben jemand auf sie wartet der keine andere Möglichkeit mehr hat.
Bergretter sind keine Filmfiguren. Sie sind ausgebildete, erfahrene Menschen mit einem Können das die meisten von uns unterschätzen und mit einer Aufgabe, die man ihnen am besten dadurch erleichtert, dass man sie gar nicht erst braucht.
Warum Vorbereitung im Gebirge keine Übertreibung ist
Wandern in den Bergen ist kein verlängerter Spaziergang. Das Wetter kann sich innerhalb kurzer Zeit komplett drehen. Wege die auf der Karte harmlos aussehen, werden im Nebel zu Fallen. Wer gut vorbereitet startet, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen die im Ernstfall ausrücken würden.
Die Tour sollte zum eigenen Niveau passen, nicht zum Wunschniveau. Höhenprofil, Länge und Schwierigkeit gehören ehrlich bewertet. Der Wetterbericht ist kein Aberglaube, er hilft einzuschätzen ob sich Gewitter ankündigen und wann man spätestens umkehren sollte. Früh starten ist keine Empfehlung für Frühaufsteher, sondern schlichte Vernunft: je früher man oben ist, desto eher ist man wieder unten bevor das Wetter kippt.
Im Rucksack gehören neben Wasser und Proviant auch eine kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung, eine Rettungsdecke, eine Stirnlampe und eine Trillerpfeife. Letztere klingt altmodisch, zumindest komisch und unverständlich und ist im Ernstfall Gold wert. Signale damit zu geben kostet keine Kraft und ist für Retter in unübersichtlichem Gelände ein verlässlicher Orientierungspunkt. Regenschutz und eine Jacke oder ein Pullover als wärmende Schicht gehören auch im Hochsommer mit ins Gepäck, das Handy sollte natürlich voll geladen sein und eine Powerbank schadet auch nie.
Das ist tatsächlich keine übertriebene Checkliste sondern das ist das Minimum für jeden der ernsthaft in die Berge gehen will.
Was Bergretter wirklich leisten
Bergretter sind darauf spezialisiert, in unwegsamem Gelände zu helfen. Sie suchen nach Vermissten, versorgen Verletzte, sichern gefährliche Passagen und koordinieren ihre Einsätze mit Polizei, Hubschrauberstaffeln und medizinischen Diensten. In alpinen Regionen kommen Seilwinden, Drohnen, Lawinensonden und GPS-Technik zum Einsatz. Was von außen nach Drama klingt, ist für die Beteiligten handwerkliche Präzisionsarbeit unter extremen Bedingungen.
Viele Bergretter sind Mitglieder der regionalen Bergwachten oder Alpenvereine und tun das alles ehrenamtlich. Das bedeutet: sie haben ganz normale Jobs, Buchhalter, Ärzte usw. und rücken nachts, bei Sturm oder an Feiertagen ganz egal wann im Notfall aus.
Die Ausbildung ist kein Crashkurs für das Wochenende
Bergretter werden nicht an einem Wochenende mal kurz per Fortbildung ausgebildet. Die Vorbereitung dauert mehrere Jahre und verlangt körperliche Fitness, psychische Belastbarkeit, alpine Erfahrung und die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben.
Inhalte sind Alpintechniken und Klettern, Notfallmedizin in unzugänglichem Gelände, Lawinenkunde, Wetterbeurteilung, Orientierung mit Karte und GPS sowie Rettungstechniken für Hubschraubereinsätze. Dazu kommen regelmäßige Pflichtfortbildungen, denn das Wissen muss aktuell bleiben und das Können muss sitzen wenn es darauf ankommt.
Respekt beginnt im Tal
Bergretter sind keine Filmhelden. ;-).
Sie sind Menschen mit außergewöhnlichem Können und echter Verantwortung und es ist viel Einsatz nötig um der Aufgabe gewachsen zu sein. Ihnen gegenüber Respekt zu zeigen bedeutet alles dafür zu tun, dass sie nicht ausrücken müssen.
Das fängt bei der ehrlichen Selbsteinschätzung an. Welche Tour passt wirklich zu mir? Was passiert wenn das Wetter umschlägt? Habe ich alles dabei was ich brauche? Und vielleicht die wichtigste Frage: Weiß jemand wo ich bin und wann ich zurück sein will?
Wer diese Fragen für sich beantwortet hat, ist schon besser vorbereitet als viele.
Ein Gedanke zum Schluss
Berge ziehen Menschen an. Immer schon. Aber die Gründe haben sich verändert. Früher war es Abenteuer aus Neugier und Entdeckergeist. Heute kommt manchmal noch etwas anderes dazu: die perfekte Aufnahme, das dramatische Bild, die Geschichte die sich gut erzählen lässt.
Was dabei passiert wenn Inszenierung und echtes Risiko sich begegnen, schaue ich mir in einem eigenen Beitrag genauer an: Influencer und Abenteuer. Die Berge sind geblieben wie sie waren. Nur wer hinaufsteigt dessen Einstellung dazu hat sich leider oft verändert.
