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Nein sagen als Großeltern – liebevoll, klar und ohne schlechtes Gewissen

Oh, die Oma hat Nein gesagt. Dieser Satz hat bei meinen Enkeln schon für echtes Entsetzen gesorgt. Kurze Schockstarre, großes Augenaufschlagen, gelegentlich eine Unterlippe die zu zittern beginnt. Als hätte ich gerade verkündet, dass Schokolade abgeschafft wird.

Ich sage das nicht ohne Mitgefühl. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, das sich meldet, wenn man einem Kind einen Wunsch abschlagen soll, das man so sehr liebt. Dieses kleine innere Zögern, dieses kurze Überlegen ob man nicht doch noch einmal eine Ausnahme machen könnte. Aber ich habe gelernt: Ein klares, liebevolles Nein ist kein Zeichen von Strenge. Es ist ein Zeichen von Verlässlichkeit. Und im Übrigen nehme ich mir Zeit den Kindern zu erklären warum nun heute eben Übernachten nicht geht. Sie verstehen alles wenn ich mir Zeit nehme für eine logische und verständliche Erklärung.

Warum fällt das Nein so schwer

Die Antwort ist simpel und ehrlich: weil wir unsere Enkel über alles lieben. Weil wir wissen, wie kurz die Zeit ist, die wir mit ihnen haben. Weil Verwöhnen sich nach Großelternrolle anfühlt, nach dem schönen Teil, nach dem Gegenstück zu den strengeren Eltern zuhause.

Dazu kommt etwas, das viele nicht laut aussprechen: Wir wollen gemocht werden. Wir wollen, dass die Enkel sich freuen, wenn sie zu uns kommen. Und ein Nein fühlt sich im ersten Moment an wie ein Boykott dieser Freude.

Aber genau da liegt der Denkfehler. Kinder lieben nicht die Menschen, die ihnen alles erlauben. Sie lieben die Menschen, bei denen sie sich sicher fühlen. Und Sicherheit entsteht durch Verlässlichkeit, durch Grenzen, durch das Wissen, dass ein Erwachsener die Übersicht behält auch wenn der eigene Wunsch gerade sehr groß ist. Da haben wir wieder die Geschichte mit der Erklärung die jedes Kind versteht. Es wird ernst genommen! Mehr zu diesem Thema Großeltern heute findest du in Freizeitentdecker im Alltag, wo ich darüber schreibe, wie sich die Großelternrolle heute verändert hat.

Ein Nein muss nicht hart klingen

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis überhaupt. Ein Nein kann weich sein, warm, humorvoll sogar. Es muss nicht bedeuten: auf keinen Fall, niemals, Ende der Diskussion. Es kann auch bedeuten: heute nicht, aber morgen machen wir etwas noch Schöneres.

Wenn der fünfte Wunsch nach Eis kommt, hilft ein Satz wie: Heute bleibt es bei einer Kugel, aber morgen zaubern wir zusammen unser eigenes Fruchteis. Das ist kein Nein das verschließt, sondern eines das öffnet. Es zeigt dem Kind: Ich höre dich. Ich nehme dich ernst. Und trotzdem bleibe ich bei meiner Entscheidung. Gründe dafür gibt es ja auch die erklärbar sind.

Humor ist dabei ein unterschätztes Mittel. Wenn mein Kühlschrank heute Feierabend hat oder Omas Eismaschine streikt, ist die Stimmung im nächsten Moment wieder hell. Kinder spüren, wenn ein Nein mit Leichtigkeit gesagt wird. Das macht es leichter anzunehmen.

Was Kinder durch ein Nein lernen

Geduld und Frustrationstoleranz lernen Kinder dabei zum Beispiel. Den Umgang mit Enttäuschung. Das sind keine kleinen Dinge, das sind Fähigkeiten, die das ganze Leben prägen. In einer Welt, in der vieles auf Knopfdruck verfügbar ist, ist die Erfahrung, warten zu müssen oder auf etwas zu verzichten, tatsächlich wertvoll.

Kinder, die nie ein Nein hören, entwickeln oft Schwierigkeiten damit, wenn das Leben ihnen später eines gibt. Und das wird es das wissen wir aus Erfahrung. Der Schulalltag, Freundschaften, später der Beruf, all das hält Grenzen und Enttäuschungen bereit. Wer früh gelernt hat, damit umzugehen, steht stabiler auf der Erde.

Das bedeutet nicht, dass wir als Großeltern strenge Erzieher sein müssen. Das sind wir nicht, das ist auch nicht unsere Rolle. Aber wir können die Menschen sein, bei denen Kinder lernen, dass Grenzen keine Ablehnung bedeuten und wir einfach auch unsere Grenzen haben.

Wenn die Tränen kommen

Und sie kommen garantiert. Das gehört eben dazu. Ein ruhiger, liebevoller Ton hilft in solchen Momenten mehr als lange Erklärungen: Ich weiß, dass du enttäuscht bist. Aber es bleibt dabei. Nicht weil ich gemein bin, sondern weil es jetzt nicht anders möglich ist und weil ich dich liebe und nicht möchte, dass du Bauchschmerzen vom 6. Eis bekommst.

Ablenkung kann helfen, besonders bei jüngeren Kindern. Ein Rätsel, ein Spiel, ein gemeinsames Projekt das sofort beginnt, all das kann eine Dramaszene in einen guten Moment verwandeln. Aber das Nein selbst zurückzunehmen, nur weil Tränen fließen, ist keine gute Idee. Kinder lernen sehr schnell, welche Mittel wirken.

Wenn die Eltern andere Regeln haben

Das ist eine der häufigsten Quellen für Unstimmigkeiten in Familien. Was bei Oma erlaubt ist, gilt zuhause nicht, und umgekehrt. Hier hilft nur eines: offene Absprachen oder einfach klar stellen was geht und was nicht für dich.

Unterschiedliche Regeln in unterschiedlichen Kontexten können Kinder übrigens gut verstehen, solange sie wissen, was wo gilt. Bei Oma läuft das so, zuhause anders. Das ist keine Verwirrung, das ist die Wirklichkeit des Lebens.

Das Nein mit Herz

Ein Nein zu sagen bedeutet nicht, weniger zu lieben. Es bedeutet das Gegenteil. Es bedeutet, dass man die Verantwortung ernst nimmt, die mit dieser besonderen Beziehung einhergeht. Enkel brauchen Großeltern, die verlässlich sind, die klar sind, die auch mal NEIN sagen und trotz einem enttäuschten Gesicht bei ihrer Entscheidung bleiben…..Sie hat ja ihre Gründe.

Hier erfährst du mehr über meine Gedanken zum Muttertag: Muttertag – Zwischen Blumenstrauß und Burnout und dann sollte es dringend einen Oma-Tag geben, denn ohne die geht sehr oft nichts. Die welche keine haben wissen das, während die welche mit einer gesegnet sind die „immer“ Zeit hat diesen Schatz sehr oft gar nicht zu schätzen wissen.

Von Petra

Als „Pony-Oma“ und Freizeitentdeckerin bin ich täglich mit zwei Schnauzern in der Natur unterwegs. Für unsere Agentur erzähle ich mit Herz und Fachwissen von Ideen, Tipps und Gedanken authentisch, bunt und objektiv aus dem Alltag.

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